danceWeb 2006 in Wien
Wien entpuppt sich für mich als Tür-
und Fensteröffner auf mein Innenleben und auf den artenreichen
zeitgenössischen Tanzdschungel. Man kann hier Tanz wie im Supermarkt
konsumieren – oder ihn in homöopathisch-tiefwirkenden Dosierungen
verabreicht bekommen.
So lautet eine Postkarte, die ich in meiner vierten Wiener Tanzwoche
nach Hause schrieb.
Im Moment bin ich daheim im ruhigen Dorf am Verdauen. Ich bin von
Natur aus eher ein Mensch, der die homöopathisch-tiefwirkenden
Dosierungen vorzieht. So liegen mir die fünf Wochen noch etwas
schwer auf dem Magen. Denn um den Konsum bin ich nicht drum herum
gekommen. Das Angebot war gigantisch und die Verlockung zu gross.
Wir trafen ja schon am Mittwoch vor dem offiziellen Start des Festivals
in Wien ein. Mathilde Monnier und Loîc Touzé, unsere
beiden DanceWEB coaches, haben sich sehr umsichtig und nachhaltig
um uns gekümmert. Bei den gemeinsamen morgendlichen warm-ups
in diesen ersten Tagen kamen wir uns auf spielerische Weise näher.
Innerhalb von vier Nachmittagen mussten wir in vier Gruppen je ein
Stück zum Thema carte de visite erarbeiten. Diese kurzen, intensiven
Schaffungsprozesse waren konfliktgeladen und sehr aufschlussreich
was Gruppendynamik und die eigene Rolle im Kollektiv betrifft. Ich
jedenfalls habe diese Vertrautmachungs-Prozeduren sehr geschätzt,
auch wenn sie alles andere als reibungslos verliefen.
Am Montag gings dann los mit dem individuell zusammengestellten
Workshop-Programm.
Die ersten zwei Wochen habe ich wie besessen Tanztechnikstunden
in mich rein gesaugt. Diese Workshops waren körperlich anstrengend
und technisch herausfordernd. Wien war von der Hitzewelle genauso
betroffen wie die meisten Teile Europas. Es ist viel Schweiss geflossen
und Muskelkater war an der Tagesordnung. Rasmus Ölme und Iñaki
Azpillaga, beide Extänzer von Wim Vandekeybus` Erfolgscompany
Ultima Vez, haben uns wichtige Prinzipien des Partnering vermittelt.
Mit Hilfe der richtigen Handgriffe und Techniken katapultierten
wir uns gegenseitig durch den Raum, prallten aneinander auf und
rollten übereinander hinweg. Diese Arbeit erfordert schnelles
Auffassungsvermögen, Mut, Vertrauen und Präzision. Auch
Bruno Cavernas Moving into the Extremes-Workshop hat mich bis an
meine Grenzen gebracht. Seine Arbeit ist stark beeinflusst von der
brasilianischen Kampfkunst Capoeira. Das Bewegungsvokabular gleicht
in der Dynamik und Elastizität dem einer Wildkatze. Nicht zuletzt
hat mich Brunos Lebensfreude und Enthusiasmus, mit dem er seine
Lehrlinge ansteckt, stark beeindruckt. Wir werden nun versuchen
Bruno als Gastdozenten an meine Schule in Amsterdam zu holen.
Als Zwischenbilanz nach der ersten Hälfte DanceWEB war ich
erst einmal völlig erschöpft. Die geballte Ladung Information,
der zwischenmenschliche Austausch, die Akklimatisierung sowie der
Mangel an Klimaanlagen hatten mich körperlich und psychisch
ausgelaugt. Kurz entschlossen habe ich die gebuchten Weekend Workshops
gestrichen und mir zwei Tage Entspannung gegönnt. Ich war am
Wiener Berg baden und begutachtete im Leopold Museum die Zeichnungen
und Skizzen von Egon Schiele.
In Woche drei und vier hatte ich das grosse Glück einen der
begehrten Plätze im Intensiv-Workshop mit dem Kanadier Benoît
LaChambre ergattert zu haben. Benoît ist zur Zeit einer der
gefragtesten Choreografen in der zeitgenössischen Tanzszene.
Mit ihm haben wir die Innenräume und Aussenräume unseres
Körpers erforscht. Es war eine sehr konzentrierte, sanfte Arbeit
mit Tiefenwirkung. Von mir hat sie Ausdauer, Geduld, Einbildungskraft
und höchste Aufmerksamkeit erfordert. Ich war Zeuge eines langsamen
aber kontinuierlichen Veränderungsprozesses, den ich an meinem
eigenen Körper mitverfolgen konnte. Nicht nur die Körperwahrnehmung,
sondern auch die eigenen Denkpatronen und vor allem die Sinneswahrnehmungen
wurden unter Benoîts Anleitung in neues Licht gerückt.
Ich bin überzeugt, dass ich mit dieser Methode sehr viel erreichen
und verändern kann.
Am Freitag Abend nahm ich an einer Contact Improvisation Jam teil.
Ich erfuhr mich dabei so erfrischend offen für neue Möglichkeiten
im Contact Tanz, dass ich mich in meinem Entschluss, meine Kenntnisse
in der Kontaktimprovisation zu vertiefen und eines Tages selbst
C.I. zu unterrichten, ungemein gestärkt fühlte. Auf jeden
Fall will ich die Prinzipien von Benoîts Arbeit auf die Kontaktimprovisation
übertragen, was ich womöglich intuitiv in dieser Jam schon
getan habe.
Fast jeden Abend habe ich mir eine Vorstellung angeschaut. Es gab
Perlen darunter, welche mich stark ansprachen, teils zu verwirren
und teils zu begeistern vermochten. Andererseits hatte es auch ein
paar Tiefflieger, von denen ich aber nichtsdestoweniger viel dazulernen
konnte und mir darüber Rechenschaft ablegen musste, warum mich
gerade diese Art von Tanz vollkommen kalt und gleichgültig
liess.
Einer meiner liebsten Shows durfte ich ganz unerwartet eines lauen
Sommerabends am Springbrunnen vor der Karlskirche beiwohnen. Wir
hatten uns dort nach getaner Arbeit noch zu einem Feierabendbier
zusammengefunden. Vom Eiswagen und Gartenbeizli drüben ertönte
gemütliche Reggae-Musik. Pieter Ampe und Eleanor Bauer wateten
mit hochgekrempelten Hosenbeinen durch die Brunnenanlage. Inmitten
dieser gewaltigen Kulisse mit der hell erleuchteten Kirchenfassade
im Hintergrund fühlten sich die beiden DanceWebber in ihrem
Element. Und so mutierten ihre erst unbeholfen-balancierenden Schritte
zu ballettösen Formen. Unter Beifall des Publikums gaben sie
schliesslich eine spontane und humorvolle, zugleich aber höchst
poetische und von Schönheit betörende Version des Schwanensee
zum Besten, in welcher Eleanor zum Schluss völlig benommen
die Kirchentreppe runterrollte und sich als Grande Finale ins Wasser
stürzte.
Ein wichtiger Bestandteil des DanceWEB ist natürlich der Meinungsaustausch
und Dialog mit den andern 64 DanceWebbern. Diskussionen über
die kontroversen Vorstellungen des Festivals, über die verschiedenen
Workshops sowie über unsere eigene Arbeit vor und unsere Pläne
nach DanceWEB waren extrem bereichernd. Sie halfen uns, unsere Position
als Tänzer und/oder Choreografen in der zeitgenössischen
Szene genauer unter die Lupe zu nehmen und neu zu definieren.
Auf die Initiative der Mexikanerin Montserrat Payro haben wir beschlossen,
uns als organisiertes Kollektiv in professioneller Hinsicht weiterhin
auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen. Wir haben auf
dem Internet ein Forum kreiert, wo wir Workshops, Auditions, Residencies,
Festivals und andere Ausschreibungen veröffentlichen können.
Lange nicht alle Herkunftsländer der diesjährigen DanceWEB
Stipendianten verfügen über die Infrastruktur und Möglichkeiten
für den zeitgenössischen Tanz, die wir hier in Mitteleuropa
vorfinden.
Das Forum bietet einen Platz, den regen Austausch aufrechtzuerhalten,
Koproduktionen und gemeinsame Projekte zu ermöglichen, und
die Arbeit des DanceWEB weiterzuführen.
In diesem Sinn danke ich meinen Sponsoren ganz herzlich für
ihre grosszügige Unterstützung.
Christoph Leuenberger
Mes impressions sur le DanceWeb, Vienne 2004
DanceWeb est un programme destiné aux danseurs et jeunes
chorégraphes qui se déroule pendant 5 semaines du
8 juillet au 11 août, en même temps que le festival
Impulstanz. Ce programme comporte des cours isolés, des stages
intensifs, des coaching projects et des pro series projects. Ces
deux derniers durent entre 8 et 10 jours et l’accent est mis
sur un thème particulier choisi par les chorégraphes
artistes, souvent d’une renommée internationale.
J’ai donc choisi de travailler avec :
Louise Lecavalier (la la la Human Steps), pour les cours contemporains
Judith Grodowitz pour un stage d’Alexander Technique
Boris Charmatz, Benoît Lachambre et Alain Buffard pour le
coaching et pro series projects.
Ce qui a été le plus important et le plus enrichissant
pour moi, c’est le travail avec Alain Buffard. Sa vision du
corps, la relation à la nudité, la présence
du danseur sur scène ainsi que l’immobilité
sont les points que nous avons explorés durant 10 jours.
Cette rencontre était aussi forte pour moi parce qu’au
final du stage, il m’a invité à participer à
son spectacle « mauvais genre » qui était présenté
au festival. Le processus de travail était très intense
: beaucoup d’improvisations mais aussi des données
extrêmement précises qui laissent peu de liberté,
ou tout simplement il nous a dit quoi faire mais comment le faire
était dicté par notre propre intuition. Le fait d’être
nu sur scène était nouveau pour moi et la façon
par laquelle il nous a amené à avoir une simple relation
à la nudité était extraordinaire. L’exploration
de la peau en tant que surface réceptrice et émettrice
d’informations, voir sensations.
Parallèlement à ces rencontres avec les professeurs
et chorégraphes, j’ai eu notamment la chance de rencontrer
d’autres dancewebers venus des quatre coins du monde : nous
étions 53 choisis parmi 1600 concurrents. Nous avons pu échanger
des idées non seulement par rapport aux stages et cours que
nous prenions tous les jours, mais aussi par rapport au vaste choix
de spectacles proposés au festival Impulstanz(j’ai
pu voir 34 spectacles offerts). En tant que participant du DanceWeb,
j’ai eu à ma disposition un studio de danse pour des
recherches et des travaux personnels. Même si mon emploi du
temps était relativement chargé dû à
ces multiples activités (cours, stages, rencontres, spectacles),
j’ai tout de même pris le temps de me consacrer à
des recherches personnelles, d’autant plus motivé par
cette énergie effervescente qui se propageait dans Vienne.
A la fin du programme, j’ai donc présenté un
extrait de 10 minutes du solo sur lequel j’ai
travaillé pendant ces quelques semaines. J’ai eu des
retours très positifs, le but de cette représentation
était de montrer quelque chose de discutable, c’est-à-dire
une matière sur laquelle je me suis penché. J’ai
hâte de continuer mes recherches et mes explorations ici en
Suisse, tout en gardant le souvenir de cette expérience riche
en émotions et en intensités, tant professionnelle
qu’humaine.
Krassen Krastev
Bericht Dance WEB 2003
5 Wochen Wien; ein Ort, viele Erfahrungen
Bericht über die Internationalen Tanzwochen Wien, danceWEB
2003.
Von Fiona Hirzel.
Seit fast 2 Monaten bin ich wieder zurück in der Schweiz, Wieder
am arbeiten und die ganze Erfahrung liegt schon ziemlich weit weg.
Die zeitliche und räumliche Distanz gibt mir die Möglichkeit
alles von einer anderen Perspektive zu betrachten. 2 Wochen bin
ich durch das Festival geschwommen und dann 3 Wochen darin versunken,
oder besser gesagt darin abgetaucht. Es war für mich ein großer
Abschnitt auf meinem Weg als Tänzerin.
Zu schnell war die Zeit abgelaufen. Momentan bin ich mit 3 Stücken
von 2 Companien unterwegs, die Stücke wurden alle im letzten
Jahr kreiert. Aber ich muss eingestehen, dass ich lieber gerade
mit der neuen Kreation angefangen hätte, muss mich aber nun
bis im Januar gedulden und all die Ideen von Wien bis dann warm
halten. Mir ist als ob all die danceweb Eindrücke anhand von
einem großen Sieb gesiebt würden. Denn mit der zeitlichen
Distanz gibt ganz klare sogenannte «key Erfahrungen».
Alle anderen Eindrücke waren im Moment auch sehr imposant,
aber sie waren anscheinend doch nicht so beeindruckend, dass sie
im Sieb hängenblieben.
Zu den «key Erfahrungen» gehört sicher die Pro
series mit Wendy Houstoun. Wendy hat uns gezeigt, wie man auf eine
sehr spielerische Art an Material gelangen kann. Wie man das nachher
verarbeitet ist offen geblieben. Ganz entscheidend war auch die
Stimmarbeit mit Wendy. Wir haben so auch eine Seite der Wiener Polizei
mitbekommen, die nach 2 Lärmbelästigungen mit dem Dekret
«this workshop is too loud» mitten in unsere Arbeit
platzte.
Aber ich habe gemerkt, dass es ganz entscheidend ist, immer wieder
Neuland zu suchen. Und zwar Neuland innerhalb des eigenen Bewegungsvokabulars.
Solange man sich selber überraschen kann, bleibt die Arbeit
frisch und macht Spass.
David Dormann versuchte uns dasselbe in seinen Stunden zu übermitteln.
Sein Ansporn «surprise yourselfs» machte seine Stunden
zur Achterbahn. In den unmöglichsten Positionen versuchte man
das noch unmöglichere zu tun, und man war somit der Dynamik
des Tanzes vollkommen ausgeliefert. Einfache Impros zum Thema «folding
or bending» wurden somit zu einer Gratwanderung mit sich selber.
Erst die Stunden von David Dorfmann haben mich wieder völlig
in die Welt des Tanzes geholt.
Von den vielen Vorstellungen sind mir einige mehr, die andern weniger
in Erinnerung geblieben. Ein blitzartiger Einschlag war das Solo
von Erna Ornasdottir. Ein Bündel Energie, das mich mit seiner
Geschichte voll in Bann nahm. Für einen kurzen Moment dachte
ich, ich müsste nach Island reisen um auch ein bisschen von
der biörkischen Verrücktheit zu bekommen.
Wenn es möglich war, versuchte ich Vorstellungen, die mir sehr
gefielen ein zweites Mal anzuschauen. Zum Beispiel «Jardin»
von Peeping Tom Kollektiv, oder «Blush» von Ultima Vez.
Peeping Tom überzeugte mich durch die Fantasie und den Humor,
den sie in ihr Bewegungsmaterial einbezogen. Oft wenn ich ein Glas
Wien trinke, kommt mir in den Sinn, wie Frank tanzend mit Flache
und Gläser den anderen eingeschenkt hatte. Und der Satz von
Rika im Film, als sie Fotos von sich zeigte, «c’est
sont des photos quand j’étais grande» löste
bei mir eine ganze Gedankenwelle aus. Den ganzen Kreislauf des Menschen
kehrte sie mit diesem einen Satz um. Nicht mehr von klein nach groß
sondern von groß nach klein. Kreist somit ein Kreis in 2 entgegengesetzte
Richtungen gleichzeitig?
Während der ganzen Zeit, wurden wir immer wieder angeregt,
sei es in den vom danceweb organisierten Salons oder nach den verschiedensten
Vorstellungen gewesen, uns Gedanken über den Tanz zu machen.
Zusammengefasst kam ich dazu, dass es beim tanzen immer um Entscheidungen
geht. Sei es in einer Impro, oder sei es in einer Choreo-grafie,
einer Entscheidung folgt die nächste. Aber es muss ein Entscheid
vorhanden gewesen sein, sonst verliert eine noch so spannende Bewegung
an Bedeutung. Mit dieser inneren Überzeugung kann schlussendlich
alles zum Tanz werden, wie in der moderten Kunst auch alles zur
Kunst werden kann.
Innerhalb der Gruppe, oft am Abend am Küchentisch, wurden solche
Fäden zum Teil bis ins unnachvollziehbare weitergesponnen.
Und waren wir doch am Anfang ein jeder ein Fremder für 42 andere
Fremde, so kristallisierten sich mit der Zeit schon bald viele Freundschaften
aus dieser zu Beginn noch homogenen Gruppe heraus. Das Zusammenleben
in einer Gruppe von so vielen unterschiedlichen Menschen, ist immer
wieder eine Herausforderung. Man sucht seinen Platz in der Gruppe
und ist so sehr gefordert sich selber immer wieder zu hinterfragen.
Und viele Erlebnisse mit Bruno oder Victoria waren für mich
gerade so wichtig, wie die Highlights im Bereich Tanz. Jeden Tag
waren wir als Strassenparasiten mit unseren Fahrrädern unterwegs.
Verschwitzt von der Anstrengung den kleinen Hügel zum Arsenal
zu erklimmen, oder durchnässt von einer Sturmböe, eisern
blieben wir unseren 2-Rädern treu. Und als ich bei meiner Strangerwanderung
durch die Stadt die Metro und das Tram nahm, fühlte ich mich
für einen Moment ein bisschen verloren. Was ich aber durchwegs
als Sinn der Aufgabe sah.
Und es wurde immer wieder geschmunzelt, wenn wieder jemand von der
Polizei wegen irgendetwas angehalten wurde. Und wenn wir zwischendurch
mal im Flex tanzen gingen, konnte man meinen, wir hätten noch
lange nicht genug davon. Alles wurde dort getanzt, und für
mich waren es solche Momente die mich total in eine Trance versetzen
konnten. Was auch immer für Musik lief, fast immer fanden Bruno
und ich in einem Capoeiraspiel zueinander.
Während dem ganzen Festival fühlte ich mich unglaublich
geehrt, als eine Auserwählte teilnehmen zu können. Wir
hatten verschiedenen Privilegien. Wie z.B. Ko Murobushi’s
Performance, oder Brunch in einem wunderschönen Garten, und
zum Abschluss noch ein Frühstücksbuffet im obersten Stock
des einzigen Wolkenkratzers, mit einer unglaublichen Panoramasicht
von Wien. (Und meine erste Fahrt in einem Pater Noster.) Endlich
bekamen wir ein Bild von der Stadt, in der wir 5 Wochen lang geschwitzt
hatten.
Bericht Dance WEB 2002
My impressions about the DanceWeb 2002 Jasmine
Morand
DanceWeb event has just finished a few days ago and I am still floating
in another world, a place made of impressions, sensations, memories,
pictures, and voices.
During these five weeks, you are confronted with so much different
information, your brain enters a state of constant chaos - a twilight
zone. I like to feel like this! In such a state, I can perceive
the changes, feel myself growing, and find new values in my way
of thinking, moving, and living.
I remember the first line I wrote in my black diary when I arrived
at the hotel in Vienna:
«I wonder what evolution will have happened, what will be
the focus in my head, and the knowledge in my body when I leave
this room.»
Well, this whole experience of DanceWeb:
- workshops
- performances
- meeting people from all over the world
- salons, discussions, questions, doubts
- curiosity, enthusiasm, overweariness
- jam session
- kitchen life, parties, ect...
is like an intense waterfall passing through your entire being.
And when you get out of it, you feel so free and refreshed!
I had this great privilege to see, feel, observe, taste, try out,
absorb, keep, or reject so many different aspects of Dance in a
condensed time. It was magic!
I would like to mention here two strong impacts I experienced in
my body, mind, and soul through joining the Pro Serie of Emio Greco
together with Pieter Scholten and the coaching project of
Ko Murobushi in Butoh. It has been a highlight for me to discover
a part of their inner language and motives, finding through their
approach my proper quality , that I have always attempted to develop.
I need now, after all these experiences, to take a big breath,
think for myself , go in the studio and explore my inner motivation
and physicality to a deeper layer, gained by the DanceWeb.
I am so grateful to ImpulsTanz for all the new inputs, ideas and
visions the festival brought to me and I would like to thank everyone
of the great organisation and the Swiss sponsor SVTC and Tanz der
Dinge.
Bericht Dance WEB 2001
Christina Szegedi
Zuerst einmal möchte ich mich ganz herzlich bei den beiden
Sponsoren «Tanz der Dinge» und dem SVTC für die
grosszügige Unterstützung für mein Dance WEB Stipendium
bedanken, es war eine einmalige Erfahrung.
Dance WEB liegt nun doch schon einige Monate zurück. Vieles
hat sich bei mir getan aber trotzdem sind die Erinnerungen an diese
fünf intensiven Wochen noch immer ziemlich frisch und lebendig.
Ich erinnere mich noch genau an den ersten Tag als rund 48 Leute
aus insgesammt 30 Ländern mit Sack und Pack in der Jugendherberge
eintrafen. Lauter fremde Gesichter und dennoch war da vom ersten
Moment an eine Offenheit und Vertrautheit zwischen uns Dance WEBern,
wie sie mir selten zuvor in der Tanzwelt begegnete.
Für mich war Dance WEB der ideale Uebergang von meinem abgeschlossenen
dreijährigen Studium an der London Contemporary Dance School,
zum professionellen Dasein als Tanzschaffende.
Studenten verlassen die sicher behütete Schulinstitution oft
mit vielen Fragezeichen und Aengsten, wenn sie sich entscheiden
in diesem eher schwierigen Kunstbusiness professionell tätig
zu sein.«Was nun?», «Wo und wie beginne ich?»,
«Wo knüpfe ich Kontakte?», «Was erwartet
mich in den ersten Jahren nach meinem Ausbildungsabschluss?»“...
Fragen wie diese können womöglich nur durch die eigene Erfahrung
beantwortet werden, oder aber durch Personen, welche schon einige
Jahre aktiv im Tanzbusiness tätig sind.
Basierend auf dieser Erkenntnis war Dance WEB für mich «a
mind-opening experience».
In einem Umfeld zu lernen und zu arbeiten, welches eine derartige
Vielfalt an Stilen, Techniken und Menschen anzubieten hat, wie ich
es als Dance WEBer geniessen durfte, war ein riesen Geschenk so
unmittelbar nach meinem Studiumsabschluss. Es motivierte mich noch
mehr als jemals zuvor an meine Kunst zu glauben, meinen Tanz weiter
zu erforschen und immer wieder neu zu entdecken.
Ich denke einer der wichtigsten Aspekte meiner Dance WEB Erfahrung
waren für mich all die Kontakte die ich während den fünf Wochen
schloss. Kontakte zu Menschen mit den verschiedensten Geschichten,
Hintergründen und Herkünften. Die Verbindung zu Leuten
aufzubauen, welche in ähnlichen Situationen wie du selbst stecken,
oder es zumindest einmal waren, half mir sowohl meine eigene Situation
etwas gelassener zu betrachten, als auch meine eigenen Erfahrungen
und Geschichten viel mehr zu schätzen.
Sehr interessant war auch die Chance Tanzschaffende aus dem osteuropäischen
Raum kennen zu lernen. Als halb Ungarin war es für mich schon immer
ein Wunsch Kontakte zu der Tanzwelt in Osteuropa herzustellen.
Die wöchentlichen Salonmeetings welche von der Dance WEB Organisation
geleitet wurden, dienten dazu uns 48 Stipendianten von Zeit zu Zeit
zusammen zu bringen um Eindrücke, Erkenntnisse und Motivationen
auszutauschen. Oft wurden diese dann in etwas kleinerem Rahmen in
einer der drei Gemeinschaftsküchen in der Jugi fortgesetzt.
Die Salonmeetings gaben uns auch die Gelegenheit für kurze Zeit
aus der ganzen Hektik und Intensität des vollgepackten Programmes
auszubrechen, und gab und den Raum und die Zeit über Erfahrungen
und Werte nachzudenken. In gewisser Weise auch sich selbst zu definieren.
Die meisten von uns wünschten sich etwas mehr freie Zeit für
sich selbst.
Innerhalb der fünf Wochen musste auch ich so Einiges von meinem
ursprünglich erstellten Programm streichen.
Da waren auf einmal so viele neue Informationen welche in irgendeiner
Weise hätten verarbeitet und umgesetzt werden müssen,
währendem ich von einem Punkt zum nächsten rauschte, rannte
oder hetzte, bis hin zur völligen Erschöpfung. STOP! Give
me a break!
Hätte ich die Möglichkeit noch ein weiteres Mal am Dance WEB
teilzunehmen, würde ich auf alle Fälle einen weniger hektischen
Stundenplan zusammenstellen, und mich mehr auf ein bestimmtes Projekt
oder Choreographen pro Woche beschränken. Andererseits will
man natürlich den Luxus dieses riesen Angebotes auch auskosten.
Erholen kann man sich ja dann nach den fünf Wochen.
Genauso waren aber das tägliche Gestöhne und Gejammer
über Erschöpfung, Muskelkater oder Verletzung Teil des ganzen
Erlebnisses, wie es auch all die spannenden Dance WEB highlights
waren, welche meine Erinnerungen prägten. Bilder vom «First
Smell» (das gegenseitige Kennenlernen und Beschnuppern), dem
Pic Nic im Garten der Präsidentin, Eis essen auf dem Balkon
des Wiener Volkstheaters, wilde Partynächte in der Meierei,
Salonmeetings, kurze chill-out sessions im Arsenal, mit Milkshake
und brennender Julisonne, Brunches und Frühstücke an Wiens
schönsten und geheimsten Plätzen, eindrückliche Workshops
und Projekte und letzten Endes das emotionale Goodbye prägen
meine Erinnerungen, huschen von Zeit zu Zeit durch meinen Kopf und
machen mir bewusst wie privilegiert ich für diese Erfahrung bin.
Die Zeit zwischen Dance WEB und jetzt war eine Zeit des Reflektierens,
Verarbeitens, Neuorientierens und der Manifestation aller Eindrücke
und Kenntnissen die ich im Sommer erfahren durfte. Nach einem Projekt
in London, beschloss ich in die Schweiz zurück zu kehren um
hier zusammen mit Freunden unsere eigene Arbeit aufzubauen. Seit
Januar 2002 lebe ich in Zürich und somit ist meine momentane Hauptaufgabe
hier neuen Fuss zu fassen.
Ich stehe noch immer in Kontakt zu einigen Dance WEBern und gemeinsame
Projekte sind bereits in Planung. Unter anderem werden wir im Sommer
innerhalb des Impuls Tanz Festivals in Wien eine Platform für Ex-Dance
WEBers gründen wo wir unsere eigenen Werke erarbeiten und zeigen
werden.
Dance WEB hat auf alle Fälle zu meiner Entwicklung als Künstler
beigetragen und weckte in mir einen Prozess des Entdeckens, Erforschens,
Beobachtens, Auseinandersetzens von Körper und Geist.
Dance WEB gab mir auch die Möglichkeit herauszufinden was mein
Körper will und braucht, gab mir den Mut meine choreographischen
Interessen weiter zu verfolgen, und meinen eigenen Platz in der
Welt des Tanzes zu finden.
Danke, dass ihr mir das ermöglicht habt!
Bericht DanceWEB 2000
von Michael Kellenberger DanceWEB Stipendiat 2000
Nach meiner dritten aufeinanderfolgenden Bewerbung ist es mir dieses
Jahr ermöglicht worden das DanceWEB 2000 zu besuchen. Es war
für mich eine ganz besondere Freude als ich die Nachricht Anfang
Mai bekam, das Stipendium erhalten zu haben, da es nach Angaben
der DanceWEB Organisatoren für jüngere Leute welche am Anfang
ihrer beruflichen Karriere stehen gedacht ist.
Ich reiste also am 13.7.00 von Stralsund (Deutschland), direkt
nach Abschluss des Projektes «Kraftwerk» von Stefan
Hahn, nach Wien. Für mich war die Ankunft in Wien eine sehr
ruhige, da ich im Vorjahr vom Departement für Erziehung und Kultur
des Kantons Thurgau ein Weiterbildungsstipendium erhalten hatte,
um mich zwei Wochen an den Internationalen Sommertanzwochen weiterzubilden.
Ich kannte diese Stadt also ein bisschen.
Wir wurden in dem Studentenhotel erwartet und auch mit den ersten
nötigen Informationen versorgt.
Da waren also nun die Verschiedenen Bereiche welche das DanceWEB
Programm gestalten.
Als erstes sind da die ganzen Workshops, Coaching Projekte, Pro
Series Projekte. Ich habe mir für diese vier Wochen intensiver Weiterbildung
versucht ein Schwergewicht zu setzen und mir danach die entsprechenden
Kurse auszusuchen, denn nur so erschien es mir möglich nicht
in der riesigen Auswahl welche zur Verfügung steht unterzugehen.
Wie schon im vorigen Jahr wählte ich mir das grosse Feld der Choreographie/Komposition.
Um verschiedene Arten oder Stile kennen zu lernen wählte ich;
In der ersten Woche bis Mitte zweite Woche das Pro Series
Projekt mit Russel Maliphant und Michael Hulls; Light-Body-Motion
mit dem Thema Choreographie in Relation zu Licht und umgekehrt zu
realisieren. Dies war für mich ausserdem eine weitere Gelegenheit
mich mit der Arbeit von Russell Maliphant auseinander zu setzen,
da ich schon im Jahr 98 in Berlin mit ihm gearbeitet hatte. Dieses
Feld der Auseinandersetzung speziell mit die Art der Zusammenarbeit
und der daraus resultierenden Ergebnisse hatte mich schon länger
interessiert.
Den Rest der zweiten Woche verbrachte ich in der Improvisationsklasse
von David Zambrano und Zeitgenössicher Tanz / Axis Syllabus
von Frey Faust. Die Klasse von David war für mich eine sehr inspirierende
im Hinblick auf Improvisation in Performance. Das Arbeiten mit Frey
half mir in meiner Körperpräzision sehr weiter.
In der dritten Woche war dann das Coaching Projekt mit José
Navas angesagt und zusätzlich weitere Arbeit mit Frey Faust.
Das Coaching war eine einmalige Gelegenheit einen sehr präzisen
Pädagogen mit einem, meiner Meinung nach ungeheuren Gefühl
für Menschen kennen zu lernen. Sehr lehrreich was den Aufbau und
die Dramaturgie von Choreographien betrifft. Mit Frey ging es dann
mehr um die Vertiefung des erlernten aus der zweiten Woche.
Die vierte Woche brachte mich dann ins Coaching Projekt von Andrew
L. Harwood und zur Contact Improvisation mit Frey Faust. Das Coaching
war aus einer Mischung aus Improvisation-Scores und Erarbeiten von
festgelegtem Material aufgebaut. Für mich war es ein gutes
Coaching im Bereich des pädagogischen Aufbaus und zum Teil
auch für neue Ideen. Es war aber leider nicht sehr inspirierend
was die choreographische Arbeit anbelangt. Aber alles ist vielleicht
zu viel verlangt. Die gesamten Erfahrungen werden sich aber sicherlich
in meiner Arbeit als Choreograph und Tänzer niederschlagen.
Ich denke vor allem zunächst an meine bevorstehende Produktion
«Immortal Land» welche Ende Oktober in Kreuzlingen Premiere
haben wird.
Soviel zu den ganzen praktischen Tätigkeiten des DanceWEB.
Da dies aber nicht der einzige und alleinige Inhalt des Programmes
ist, möchte ich auch noch ein paar Worte über die ganzen
Aufführungen, welche sich die DanceWEBer anschauen dürfen
verlieren. Während diesen fünf Wochen Aufenthalt in Wien
habe ich mir nun 18 Aufführungen angeschaut welche sich unter
dem Titel des Festivals «ReMembering the Body» in der
einen oder anderen Weise mit der Erinnerung des Körpers auseinandergesetzt
haben. Diese Möglichkeit der Auseinandersetzung mit dem Tanz
und der darauf folgenden Diskussionen war ein sehr belebender Aspekte
den ich persönlich als sehr wichtig erachte. Durch die verschiedenen
künstlerischen Meinungen welche in Performances vertreten waren
wurde die Diskussion angeregt. Leider waren einige der wichtigen
europäischen Kompanien wie z.B. Pina Bausch, DV8 und andere
nicht vertreten. Es gab mir aber trotzdem die Möglichkeit erlerntes
in Frage zu stellen, um aber auf der anderen Seite neue Fragen zu
entwickeln. Dies wurde auch durch die Diskussionsrunden während
den sogenannten wöchentlichen «Salons» mit vorbereitender
Gruppe ermöglicht. Eine sehr herausfordernde Aufgabe für einige
der DanceWEBer, welche auch nicht immer sehr reibungslos und ohne
Konflikte vor sich ging. An diesen Salons waren dann auch ein Mitglied
von «Le Quatuor Albrecht Knust» aus Frankreich und Helmut
Ploebst zu Gast als Diskussionspartner. Diese offene Diskussion
und Möglichkeit der Fragestellung half mir vor allem eigene
Fragen zu entwickeln und meine eigenen Meinungen zu hinter fragen
und langfristig sicherlich auch neu zu formulieren.
Das DanceWEB war für mich eine sehr reichhaltige Erfahrung im künstlerischen
wie auch im persönlichen Sinn. Die ganzen neuen Verbindungen und
Beziehungen welche sich während diesen fünf Wochen in Wien ergeben
haben werden sich hoffentlich in meiner Zukunft bemerkbar machen.
Was auch ein entschiedenes Ziel des DanceWEB ist. Es wird hoffentlich
auch zu neuen Projekten führen, obwohl bis zum heutigen Zeitpunkt
direkt noch nichts in Aussicht steht.
Meine nächsten Pläne bis ins Jahr 2001 sind schon mehr oder
weniger gemacht; als erstes werde ich nun meine eigene Produktion
fertigstellen welche am 28.10.00 in Kreuzlingen Premiere haben wird.
Danach geht es an den Verkauf dieser Produktion. Gleichzeitig werde
ich mit der Kompanie des Off-Off-Theaters Konstanz eine Wiederaufnahme
einstudieren. Danach werde ich als Resultat eines Vortanzens während
des DanceWEB bei der Cie Willi Dorner arbeiten. Es gibt also auf
jeden Fall indirekte Resultate der Wochen in Wien.
Ich möchte mich ganz herzlich beim Tanz der Dinge und beim
SVTC für die Unterstützung am DanceWEB 2000 bedanken und hoffe
das es viele weitere Jahre geben wird. Es ist eine sehr außerordentliche
und intensive Weiterbildungsmöglichkeit welche es Tänzern
und Choreographen ermöglicht in vier Wochen eine sehr grosse
Entwicklung und Auseinandersetzung zu haben.
Vielen Dank für diese Möglichkeit.
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